Rückzahlungsbegrenzung

Für BAföG-Empfänger ist in NRW die maximale Rückzahlungsverpflichtung nach dem Studium begrenzt. Die Rückzahlungen von BAföG und Studienbeitragsdarlehen zuzüglich der bis zum Rückzahlungsbeginn angefallene Zinsen dürfen zusammen nicht höher sein als Semesterzahl (nur Semester, in denen man das Studienbeitragsdarlehen bekommen hat!) x 1.000 Euro oder höchstens 10.000 Euro.

Achtung: Diese Regelung gilt für NRW!

Vorsicht: BAföG besteht zu 50% aus Darlehen & zu 50% aus Förderung! Nur das zurückzuzahlende Darlehen fließt in die Berechnung! (also bei 400,- Euro BAföG werden 200,- Euro als Darlehen angerechnet!!)

Beispielrechnung

Du hast 8 Semester lang ein Studienbeitragsdarlehen bekommen.

8 x 500 Euro = 4.000 Euro.
Die Kappungsgrenze errerchnet man mit der Anzahl der studierten Semester x 1.000:
8 x 1.000 Euro = 8.000 Euro

Zudem hast du während des Studiums 2.500 Euro BAföG erhalten. Das macht in der Summe 6.500 Euro zuzüglich Zinsen. Die Kappungsgrenze liegt aber bei 8.000 Euro, also muss das Studienbeitragdarlehen vollständig zurück gezahlt werden. Die NRW.Bank bekommt von dir 4.000 Euro.

Hättest du 5.000 Euro BAföG bekommen (das sind 8 Semester lang rund 105 Euro BAföG monatlich), wäre die Summe deiner Schulden bei 9.000 Euro. Damit gäbe es einen Teilerlass von 1.000 Euro auf die Rückzahlung des Darlehens.

Der darüber hinausgehende Anteil des Studienbeitragsdarlehens verfällt!

Würdest du 11 Semester ein Studienbeitragsdarlehen erhalten, müsstest du nur höchstens 10.000 Euro zurückzahlen, denn bei 10.000 Euro ist generell Schluss – dies ist die Obergrenze! Das bedeutet, unabhängig von Verlauf des Studiums, beendet kein Studierender in NRW seine akademische Laufbahn mit mehr als 10.000,- Euro Schulden für: BAföG + Studienbeitrag + bis zum Rückzahlungsbeginn angefallene Zinsen.

Bei Studierenden, die keinen Anspruch auf Studienbeitragsdarlehen und/oder BAföG haben, sieht das natürlich unter Umständen anders aus. Weitere Darlehen für z.B. Lebensunterhalt usw. sind hier nicht gemeint.

Achtung

Wer sich jetzt denkt: „Ok, ich bezieh dann 1 Semester das Studienbeitragsdarlehen, habe damit eine Kappungsgrenze von 1.000,- Euro und muss kein BAföG zurück zahlen.“, der sei gewarnt! Beim BAföG gilt nur die Obergrenze von 10.000,- Euro, nicht Semesterzahl x 1.000,- Euro! Es ist demnach nicht möglich, 1 Semester das Darlehen zu beantragen, nur um die BAföG-Rückzahlung einzusparen!

Achtung: Wird von der NRW.Bank ein Studienbeitragsdarlehen gewährt, erfolgt die Auszahlung in jedem Semester, bis der Vertrag gekündigt wird! Das heißt: Einmal Darlehen, immer Darlehen! Solltest du in einem Semester genug Geld übrig haben, kannst du nicht sagen: „Jetzt zahle ich die Gebühren selbst.“ Es wird eine Laufzeit für das Darlehen vereinbart, die nicht unterbrochen werden kann.

Für BAföG-Empfänger kann das Studienbeitragsdarlehen auf Antrag gestundet werden, bis endgültig feststeht, wie hoch die Schulden aus dem BAföG-Darlehen sind. Erst anschließend wird ermittelt, welcher Anteil des Studienbeitragsdarlehens zurückgezahlt werden muss.

Besonders zu Beginn des Studiums sollte man sich hierüber intensiv Gedanken machen!

Viele Studierende empfangen BAföG. Ein großer Teil versucht aber, die Studienbeiträge selbst aufzubringen, anstatt einen Kredit aufzunehmen, denn für viele hat ein Kredit den bitteren Beigeschmack der Verschuldung und zusätzlicher Zinszahlungen.

Anstatt die Studienbeiträge selbst aufzubringen, lohnt sich für einige Studierende die Aufnahme des Studienbeitragsdarlehens. Trotz der Zinsen kommt man hier häufig günstiger davon. Daher solltest du dir rechtzeitig ausrechnen, wie hoch deine individuellen Rückzahlungen nach dem Studium ungefähr sein werden.

Besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, die Kappungsgrenze von 10.000,- Euro (bzw. 8.000,- Euro oder weniger) zu erreichen, lohnt sich ein Studienkredit von Anfang an in jedem Fall, denn alles darüber hinaus muss nicht gezahlt werden.

Aber Vorsicht!

Einige Studierende beantragen allein aus diesem Grund BAföG und nehmen grundsätzlich den Kredit auf, um diese Grenze zu erreichen. Man sollte sich vorher sehr genau überlegen, ob es sich wirklich lohnt! Das lässt sich pauschal nicht beantworten! Wenn von Anfang an klar ist, dass du dich nicht bis zur Kappungsgrenze verschulden wirst, solltest du es nicht darauf anlegen. Wer will schon bis zu 10.000 Euro Schulden nach dem Studium haben? Außerdem kann es immer anders kommen als man denkt: z.B. Leistungsnachweise nicht rechtzeitig geschafft, BAföG erst mal weg! Solche und ähnliche Verzögerungen sollte man bei der Berechnung bedenken!

Jobben & Co. ist nach wie vor sinnvoller zur Finanzierung der Studienbeiträge, denn dieses Geld muss nicht zurück gezahlt werden. Nur wenn es sich in deinem speziellen Fall lohnt und es keine sinnvollen Alternativen gibt, solltest du die Kappungsgrenze anstreben.

Bei Fragen und Problemen hilft dir der AStA der FH Dortmund gerne weiter.

Beratung gibt es auch bei den Banken oder der Allgemeinen Studienberatung der FH Dortmund.

Studierende, die kein BAföG empfangen, kommen nie bis zur Kappungsgrenze, denn sie ist immer fast doppelt so hoch wie das eigentlich Darlehen. (8 Semester = 8.000 Euro Kappungsgrenze, aber nur 8 x 500 Euro = 4.000 Euro Kredit zuzüglich Zinsen).

Daher gilt diese Regelung grundsätzlich nur für BAföG-Empfänger.

Nach dem Studium folgt eine tilgungsfreie Zeit von bis zu 23 Monaten, in der keine Rückzahlung stattfinden muss. Demnach bleibt eine „Galgenfrist“, falls man direkt nach dem Studium noch keinen Job gefunden hat.

Von der Rückzahlung freigestellt bleibt man, so lang man nach dem Studium unterhalb festgelegter Einkommensgrenzen bleibt. Diese richten sich – in Anlehnung an die Vorschrift nach § 18a Bundesausbildungsförderungsgesetz – nach Familienstand und Anzahl der Kinder. Die genauen Grenzen können der Änderungsverordnung zur Rechtsverordnung zum StBAG entnommen werden, die man auf der Homepage des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Technologie herunterladen kann. Ansonsten muss der Kredit innerhalb von 25 Jahren zurückgezahlt werden.

Wie berechne ich meine Kappungsgrenze?

Checkliste

1.Wie hoch werden deine gesamten BAföG-Schulden voraussichtlich sein?
(Achtung: nur 50% der monatlichen BAföG-Zahlungen fallen in die Berechnung!)

2. Wie hoch sind deine Schulden aus dem Studienbeitragsdarlehen der NRW-Bank?
(500,- Euro x Semester, in denen du ein Darlehen erhalten hast + Zinsen)

3. Kappungsgrenze errechnen: Zahl der in Anspruch genommen Studienbeitragsdarlehen x 1.000 Euro (Ist die Zahl der Studienbeitragsdarlehen >10, greift automatisch die Obergrenze von 10.000 Euro)

4. Kappungsgrenze abzüglich BAföG-Schulden (nur die Schulden!!)

Ergebnis negativ = Vollerlass (Du musst das Darlehen nicht zurückzahlen!)
Ergebnis null = Vollerlass (Du musst das Darlehen nicht zurückzahlen!)
Ergebnis positiv = Teilerlass oder kein Erlass

Anmerkung: Die Schulden aus Studienbeitragsdarlehen der NRW-Bank und BAföG-Darlehen werden in der Praxis nicht zusammengefasst und nicht zusammen zurück gezahlt! Die BAföG-Schulden sind beim Bundesverwaltungsamt und die Studienbeitragsschulden bei der NRW.Bank zu begleichen! Es gibt getrennte Tilgungspläne!
Wenn ein Teil der Studienbeitragsschulden erlassen wird, werden keine BAföG-Schulden erlassen!

Die NRW-Bank hat folgende Faustregel:

  • Studierende, die mehr als 60% des BAföG-Höchstsatzes erhalten, haben eine gute Chance auf eine vollständige Befreiung.
  • Studierende, die ca. 30-60% des BAföG-Höchstsatzes erhalten, haben eine gute Chance auf eine teilweise Befreiung.