Ausgabe 19. | AStA Blatt | "Danke für den Kasten!"

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    • Ausgabe 19. | AStA Blatt | "Danke für den Kasten!"

      "Danke für den Kasten!"

      Jubel und Applaus! Die Welt ist gerettet! Der Bund hat das BAföG
      novelliert, tausende Studierende, die gestern noch Hörsäle besetzten
      sind satt, zufrieden und ruhig.

      So möchten es Bildungsministerin Annette Schavan und die Regierung
      zumindest gerne sehen. Das AStABlatt hat genauer hingeschaut, was
      sich wirklich getan hat und ob diese „Novellierung“ nicht eher eine Novelle
      im anderen Sinne ist. Märchen sind schließlich auch was Feines.
      Ein Rückblick: Im vergangenen Herbst gehen bundesweit zehntausende
      Studierende auf die Straße, besetzen Hörsäle und machen ihrem
      Unmut mehr als lautstark Luft.
      Sie sind unzufrieden mit der Lage an den Hochschulen und den Umständen,
      unter denen sie studieren müssen. Neben dem gestiegenen
      Leistungsdruck durch die Bologna- Reform, sind die hohen Kosten, die
      innerhalb eines Studiums verursacht werden, größter Kritikpunkt.
      Klartext: Es geht ums Geld, zum Verständnis ein paar Zahlen: Alle
      zwei Jahre schreibt das Bundesfinanzministerium einen Bericht und
      sagt, was das Existenzminimum ist. Letzter Stand 638 Euro im Monat.
      Davon soll ein Ein-Personen-Haushalt in Deutschland finanzierbar
      sein. Nun gut. Der aktuelle BAföGHöchstsatz liegt bei 648 Euro. Ist ja
      sogar ein Zehner mehr. Bravo, Punktlandung - könnte man meinen.
      Was bei dieser Rechnung leider fehlt, ist die Berücksichtigung
      von Semesterbeiträgen, Studiengebühren, Bücherkosten und weiterem
      Lernmaterial. An dieser Stelle eine Frage: „Merkt jemand etwas?“
      Die Politiker, allen voran Ministerin Schavan, scheinen etwas gemerkt zu
      haben. Nämlich, dass die Studenten sich mittlerweile nicht mehr ernst
      genommen fühlen und sich nun geschlossen zur Wehr setzen. Während
      die Proteste der Studenten in Ministerins Augen anfangs schlicht
      „gestrig“, und eine BAföG-Erhöhung freilich „nicht geplant“ war, so
      scheint der Druck durch die Proteste nun zumindest etwas in Bewegung
      gebracht zu haben. Plötzlich finden die Sorgen der Studierenden Gehör
      und man macht sich für die Erhöhung des BAföG stark. Heraus gekommen
      ist dabei die kürzlich verabschiedete und weiter oben bereits
      angesprochene Novellierung mit – zugegeben – einigen Ansätzen, die
      Studierenden gefallen könnten. Zunächst die gute Nachricht: Das
      BAföG wird zum 1. Oktober dieses Jahres um zwei Prozent erhöht. Die
      Freibeträge des Elterneinkommens (zur Berechnung der Berechtigung),
      werden um drei Prozent angehoben. Die Altersgrenze für Master-Studenten
      steigt von 30 auf 35 Jahre. Jetzt die schlechte Nachricht: Das
      war’s schon. Erinnern wir uns an die Zahl 648, den Höchstsatz. Bei einer
      Erhöhung um zwei Prozent sind das genau 12,96 Euro mehr im Monat.
      In einer spontanen Umfrage unter einigen Studenten: „Lieber mehr oder
      weniger Geld im Monat?“ zeichnete sich zwar ab, dass der Trend eindeutig
      zu „mehr“ tendiert, doch hätten viele der Befragten – und diese Kritik
      an der Erhebungsmethode nimmt sich das AStA-Blatt an – lieber
      „noch mehr“ angekreuzt. Für knapp 13 Euro gibt es schließlich
      heutzutage auch noch das ein oder andere: Einen netten Blumenstrauß
      für Mutti, den kleinen Einkauf im Supermarkt, ein paar Mal
      öfter warm duschen im Monat, zwei Lustige Taschenbücher, zweimal
      BigMac mit Pommes, 250 Kopien oder einen Kasten Bier.
      Bevor jetzt alle wieder: „Spitze, Bier!“, schreien, sei eines gesagt.
      Die Anhebung der BAföG-Sätze reicht leider nicht mal aus, um die
      gestiegenen Lebenshaltungskosten (3 Prozent) seit der letzten BAföGErhöhung
      in 2008 auszugleichen.
      Von daher wohl doch eher: „Danke für gar nichts!“ - für den Kasten hat
      es leider nicht gereicht! KUJ
      Anika Simon - Referentin für Kommunikatin und Medien - AStA der FH Dortmund