Ausgabe 18. | AStA Blatt | Machmal ist das Gegenteil von Gut: "Gut gemeint"

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    • Ausgabe 18. | AStA Blatt | Machmal ist das Gegenteil von Gut: "Gut gemeint"

      Bis zu sieben Tage vor einer Prüfung ist eine Abmeldung kein Problem, wer kurzfristiger krank wird, muss einiges beachten. Für diese Fälle hat das Studienbüro ein Merkblatt verfasst. Dort wird detailliert erläutert, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen ein Rücktritt in letzter Minute zulässig ist. „Dieses Merkblatt wurde im Sinne der Studierenden entworfen. Es dient als Unterstützung, um ein zulässiges Attest abzugeben“, erklärt Claudia Wolf vom Studienbüro. Im Klartext heißt das „Hosen runter“. Der behandelnde Arzt muss die Krankheit, z.B. Depression direkt nennen oder die Symptome beschreiben, die zur Prüfungsunfähigkeit führen, in diesem Fall unter anderem also „Schwankungen der Tagesform, Examensangst, Prüfungsstress“. Aber hoppla, genau diese Symptome sind angeblich keine, sagt zumindest das Merkblatt. Doch gerade bei Depression ist es verständlich, dass der Betroffene die Krankheit nicht Schwarz auf Weiß zugeben will, ist es doch die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit in Deutschland. Sollte, rein hypothetisch, dieser Zettel irgendwie nach Außen und somit an Dritte gelangen, kann die Diagnose den beruflichen Werdegang beeinträchtigen. Wolf versucht zu beruhigen: „Wir sind sehr auf die Wahrung des Datenschutzes bedacht. Wir haben einen sehr sensiblen Umgang mit dem Ganzen.“ Soll heißen, der Zettel wandert zusammen mit den Prüfungsunterlagen ins Dezernatsarchiv und wird für fünf Jahre weggeschlossen, dann vernichtet. Bei allem Datenschutz keine beruhigende Tatsache. Zugegeben, bei grippalem Infekt, Diarrhö oder Schädelbasisbruch sollte die Hemmnis, durch Angabe der Diagnose von der Prüfung zurückzutreten nicht besonders groß sein, aber was tun bei einem depressiven Schub zwei Tage vor der Prüfung? Ulla Bartz ist psychologische Beraterin in Dortmund und hält fest: „Prüfungsstress und Examensangst können vielfältige physischen Symptome mit sich ziehen. Das beginnt bei leichter Übelkeit oder Zittern bis hin zum Extrem der Bewegungsunfähigkeit oder heftigen Panikattacken mit Todesangst.“ Somit sei die Fußnote auf dem Merkblatt, was keine erhebliche Beeinträchtigung sei, schlicht falsch. Aus dem Studienbüro heißt es zu diesem Vorwurf, dass es dabei lediglich um „die normale Nervosität
      oder Verunsicherung vor einer Prüfung“ gegangen sei.
      Klar, jeder der schon einmal eine Klausur geschrieben hat, weiß was normale Nervosität ist, und dass die einen nicht zwingend prüfungsunfähig macht. Wenn sich diese Nervosität aber zu einer pathologischen Psychose auswächst, heißt das Symptom immer noch Examensangst oder Prüfungsstress. Ohne die delikate Diagnose ärztlich bestätigen zu lassen, kommt man also nicht um einen Fehlversuch umhin. Außer an Fachbereich Informatik, dieser handhabt die Prüfungsabmeldungen anders: „Bei uns gilt der so genannte Stille Rücktritt“ erklärt Prof. Dr. Christoph Engels, Prodekan des Fachbereichs Informatik. Das bedeutet, dass ein Studierender der von einer Prüfung unabgemeldet fern bleibt damit keinen Fehlversuch riskiert.

      Sicher ist es grundsätzlich verständlich, dass eine kurzfristige Prüfungsabmeldung einen triftigen Grund erfordert, schließlich erschwert eine stark fluktuierende Prüflingszahl die Organisation. Ein Lösungsvorschlag kommt von Norbert Wißing, Vorsitzender im Prüfungsausschuss im Fachbereich Informations- und Elektrotechnik: „Dieses ganze Hin und Her in Sachen Prüfungsabmeldung müsste gar nicht sein, wenn sich die Studierenden frühzeitig abmelden würden.“ Soll heißen, nicht jeder, der kurz vor der Klausur mit einem Attest ankommt ist auch wirklich krank. Zugegeben, die Möglichkeit besteht. Dennoch kann man sich auch ohne wirklich krank zu sein ein ärztliches Attest erschleichen, genauso wie man wirklich krank sein kann und ohne die Nennung der Diagnose nicht von der Prüfung zurücktreten darf. Diese Fälle sollten nicht unberücksichtigt bleiben und vielleicht dazu beitragen, das Merkblatt bei der nächsten Änderung etwas zu verschlanken.

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